Redaktion Schweizer Wanderwege: aktuelle Wanderkarten für eine Zeitschrift

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Links verweisen zum Teil auf englische Seiten.

Einleitung

Die Zeitschrift «Wanderland Schweiz» des Verbands Schweizer Wanderwege bietet in jeder seiner Ausgabe eine Auswahl von Wandervorschlägen an. Zu jedem Wandervorschlag werden u.a. ein Kartenausschnitt im Massstab 1:100 000, in welchem die Wanderroute eingezeichnet ist, und ein Höhenprofil der Wanderung abgebildet. Im Folgenden wird erläutert, wie mithilfe des Softwareprogramms OCAD schnell aktuelle Kartenausschnitte (8 cm x 8cm) und ein Höhenprofil erstellt werden kann. Grundlage dieser Darstellungen sind die Geodaten von OpenStreetMap[1] und das Digitale Höhenmodell aus der Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) im Februar 2000[2]. Beide Datensätze können kostenlos über das Internet bezogen werden. Stellvertretend für die acht Wandervorschläge einer Ausgabe des Magazins «Wanderland Schweiz» ist eine Wanderung am Fuss der Eigernordwand im Berner Oberland ausgesucht worden, um den Prozess zu demonstrieren. Es wird zusätzlich erläutert, weshalb sich gerade OCAD – vor allem die neuste Version 11 – für den beschriebenen Prozess eignet.

Download der Grundlagendaten

Als Erstes werden die Vektordaten, die als Kartengrundlage für den Kartenausschnitt dient, von der OpenStreetMap-Website www.openstreetmap.org als XML-Daten heruntergeladen (vgl. Abb. 1 und Herunterladen von OpenStreetMap Daten).

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Abb. 1: Screenshot «Eigernordwand» von openstreetmap.org.

Der Kartenausschnitt liegt ungefähr auf dem 46. Breitengrad und auf dem 8. Längengrad. Mit diesen Angaben lassen sich die SRTM-Höhendaten herunterladen, beispielsweise über das Geoportal des U.S. Geological Survey Departments (http://dds.cr.usgs.gov/srtm/version2_1/).

Import der OpenStreetMap-Daten und benutzerdefinierte Symbolisierung

Importiert man die OpenStreetMap-Daten in OCAD 11, werden diese automatisch einem bereits vordefinierten Karten-Symbolsatz zugewiesen, d.h. die einzelnen Geometrien werden anhand einer Kreuztabelle (engl.: Cross Reference Table) den vordefinierten Kartensymbolen zugewiesen. Diese Kreuztabelle kann abgeändert werden, sodass man die OpenStreetMap-Geometrien den vom Benutzer definierten Kartensymbolen zuweisen kann. Die Schweizer Wanderwege nutzen diese Möglichkeit von OCAD und haben einen eigenen Karten-Symbolsatz definiert, mit welchem alle Kartenausschnitte für die Wandervorschläge erstellt werden. Die OpenStreetMap-Daten werden also anstelle der standardmässig vorgeschlagenen Kreuztabelle mit einer eigenen definierten Tabelle ausgeführt. Dabei wird nur ein Teil aller möglichen Geometrien von OpenStreetMap verwendet (vgl. Abb. 2). Nach der Symbolisierung braucht es noch einige wenige kartografische Änderungen. Das kann beispielweise die Umplatzierung der Beschriftung sein, sodass sich Textobjekte nicht gegenseitig überdecken. Einige Elemente, z.B. Flüsse, können auch noch zusätzlich angeschrieben werden, wenn die Beschriftung in den OpenStreetMap-Daten nicht vorhanden war.

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Abb. 2: Wanderkarte nach dem Import der Vektordaten sowie nach der kartografischen Bearbeitung.

Import des Digitalen Höhenmodells und Berechnung der Reliefschummerung

Damit eine Reliefschummerung berechnet werden kann, muss ein Digitales Höhenmodell importiert werden. Das unter Punkt 2 heruntergeladene Digitale Höhenmodell (SRTM-Daten) kann direkt in OCAD 11 importiert werden. Daraus lässt sich die Reliefschummerung berechnen (vgl. Abb. 3). Falls gewünscht, bietet OCAD auch eine Funktion an, um Höhenkurven zu berechnen.

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Abb. 3: Kartenausschnitt nach Berechnung des Reliefs.

Einzeichnen des Wandervorschlages mit Zwischenzielen

Der Wandervorschlag kann nun entweder von Hand in die Karte eingezeichnet oder aber als GPX-Datei importiert werden – sofern man die Route vor Ort mit einem GPS-Gerät aufgezeichnet hat. In einem weiteren Schritt werden Zwischenziele eingezeichnet. Sie dienen dazu, für den Leser besonders interessante Orte auf der Wanderoute zu markieren. Dazu wird mit dem Bearbeitung-Werkzeug «Eckpunkt» ein zusätzlicher Stützpunkt (engl. Vertex) in die Routenlinie eingesetzt. Dadurch wird ein Punktsymbol auf die rote Routenlinie gesetzt, in diesem Beispiel ist es ein gelber Punkt mit rotem Randkreis (vgl. Abb. 4.). Dieser «Eck»-Stützpunkt hat noch eine weitere Eigenschaft: Bei Eckstützpunkten werden im Höhenprofil die entsprechenden Distanzen und deren Wanderzeiten[3] zum Startpunkt berechnet.

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Abb. 4: Endprodukt: Wanderroute rot, Zwischenziele mit einem gelben Punkt und rotem Randkreis.

Berechnung eines Höhenprofils sowie von Wanderdistanz und -zeit

Das Digitale Höhenmodell, das schon zur Berechnung des Reliefs verwendet wurde, kann schliesslich auch zur Berechnung des Höhenprofils eingesetzt werden. OCAD 11 hat eine neue Höhenprofil-Funktion. Diese berechnet neben dem eigentlichen Höhenprofil auch noch die Distanzen und Wanderzeiten vom Startpunkt zu den jeweiligen Zwischenzielen. Zudem platziert sie wahlweise ein Textsymbol (z.B. Name einer Ortschaft) oder ein Punktsymbol (z.B. Restaurant-Piktogramm) bei jedem Zwischenziel (vgl. Abb. 5). Die Berechnung der Wanderzeiten basiert auf einer speziell entwickelten Formel der Schweizer Wanderwege[3]

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Abb. 5: Höhenprofil der Wanderung mit Distanzen und Zwischenzeiten vom Startpunkt.

Vorteile dieses Workflows

Der grosse Vorteil der Kartographie-Software OCAD gegenüber Desktop-Publishing-Programmen liegt darin, dass mit georeferenzierten Daten gearbeitet werden kann. Damit können verschiedenste Geodaten ohne viele Aufwand miteinander kombiniert werden, in diesem Beispiel OpenStreetMap-Daten und GPS-Aufzeichnungen (GPX-Daten). Mit der neuen Höhenprofil-Funktion lassen sich mit einem Klick Höhenprofil, Gesamtdistanz und -wanderzeit sowie Zwischendistanzen und -zeiten berechnen und darstellen, die später in einem Desktop-Publishing-Software als PDF-Datei eingefügt werden können. Zusätzlich bietet das Softwareprogramm OCAD einen hohen Automatisierungsgrad an. Sind einmal die Kartensymbolsätze, Kreuztabellen und Vorlagen (engl. Templates) für das Höhenprofil definiert, können weitere Karten sehr effizient erstellt werden. Der Preis der Software OCAD liegt deutlich unter dem vergleichbarer Softwareprogramme wie beispielweise ein Geographisches Informationssystem (GIS). Im oben beschriebenen Workflow wurde nur mit kostenlosen Geodaten gearbeitet. Der Prozess eignet sich somit auch für Unternehmen mit kleinem Budget, wie zum Beispiel für Grafikbüros oder kleinere Zeitungs- oder Zeitschriftenverlage wie die Schweizer Wanderwege.

Hinweise für Interessierte

OCAD ist ein Softwareprogramm zum Zeichnen von Karten oder Plänen unterschiedlichster Art (z.B. topografische Karten, Stadtpläne, Wander- und Bike-Karten, Internetkarten). OCAD verfügt über einen leistungsstarken Symboleditor sowie spezifische kartografische Zeichnungswerkzeuge wie Bézierkurven, automatische Lücke bei Randlinien von Strassenkreuzungen, Linienverfolgung, Beeinflussung von Strichlierungs- und Eckpunkten, Rubbersheeting zum Georeferenzieren und Entzerren von alten Karten, Berechnen von Höhenkurven, Höhenprofilen und Schummerungen aus digitalen Höhenmodellen und noch vieles mehr. OCAD ist aber weit mehr als nur ein Kartenzeichnungsprogramm. Um eine optimale Softwareanwendung für die Herstellung und Bearbeitung jeder Kartenart anzubieten, steht OCAD als Kartografie-Software im Zentrum sowie in Interaktion mit folgenden Gebieten: Geodatenerfassung (GPS), Import und Export von Geodaten, Desktop Publishing (DTP) und Erstellen von Internetkarten. Weitere Informationen erhält man unter www.ocad.com oder http://ocad.com/en.wiki/.


  1. Open Street Map, 31.12.2011
  2. http://dds.cr.usgs.gov/srtm/version2_1/, 31.12.2011
  3. 3,0 3,1 http://www.wandern.ch/index.php?id=362, 31.12.2011